Mail an den AK Soziales/Hartz IV bezüglich dessen Flugblattentwurfs „Hartz IV überwinden“
Gesendet: Dienstag, 15. April 2008 15:38
Liebe Mitglieder des AKs,
ich möchte eine Kritik loswerden, die vielleicht ein wenig polemisch
geworden ist, die mir aber auf dem Herzen liegt.
Hartz 4 ist längst etabliert, auch bei der Linken, und dient m.E. in der
Politik als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Keiner aus der parlamentarischen
Politik ist ernsthaft daran interessiert, H4 wirklich abschaffen zu wollen,
da es Arbeitsplätze sichert (für Abgeordnete) oder eine nette
Freizeitgestaltung ist (für Vorstandsmitglieder z.B.), und als politische
Spielwiese, als Instrument für politische Machtkämpfchen benutzt wird. Man
hat was zu tun und sichert sich ggf. Wählerstimmen damit. Warum sollte H4
also tatsächlich abgeschafft werden? Es würde ja eine große Lücke entstehen!
Und man hätte die Gelegenheit, ernsthaft über Reformismus oder Sozialismus
nachzudenken! Es könnten einem ja (realistische, nicht unbedingt von der
parlamentarischen Situation abhängige) Konzepte einfallen, wie z.B.
Grundlagen für einen Massen- oder Generalstreik geschaffen werden können.
Ui!
Also ist H 4 schon eine praktische Angelegenheit. Solange man selber nicht
betroffen ist, ist es ja auszuhalten.
Es sollte noch ein paar Jahre mindestens erhalten bleiben, um den Parteien
eine langfristige Gelegenheit zu geben, die Mehrheits- und
Klüngelverhältnisse festzulegen bzw. zu erhalten. Posten ist Posten.
Kommunalpolitik heißt nicht, dass man sich aus der Verantwortung entziehen
kann, sondern dass man gerade dort Signalwirkung zeigen sollte, weil man nur
mit beschränkten Mitteln arbeiten kann (eben keinen bundespolitischen
Einfluss hat).
Deshalb finde ich es auch nicht richtig, durch Entscheidungen und Aussagen
immer wieder den Eindruck zu vermitteln, dass wir (besonders die Linke.) ach
so machtlos gegen H 4 und die Agenda 2010 sind. Ich wehre mich vehement
dagegen, H 4 haus- und hoffähig zu machen, als Teil meines Lebens
gezwungenermaßen zu akzeptieren. Genauso wie gegen alle anderen
kapitalistischen Auswüchse natürlich auch. Umso bedauerlicher sehe ich, dass
sich die sogenannten sozialen Bewegungen oder die APO-orientierten Menschen
offensichtlich immer mehr auf sich verlassen können/müssen, um dem Kampf
gegen H 4 ernsthaft Paroli bieten zu können. Dass wir uns mit über Jahre
hingezogenen, reformistischen Verbesserungen zufrieden geben sollen, reicht
mir ehrlich gesagt nicht aus. Es geht um grundsätzlichere Dinge, wie schon
erwähnt wurde, um ein Menschenbild, um eine Mentalität, um das System. Dem
dürfen wir uns nicht anpassen!
Im Sinne von Heiko und Peter,
solidarische Grüße
Alex